About
Ein neoanaloges Internet-Experiment fördert Begegnung
und macht Austausch im städtischen Raum sichtbar
stadt2.0 dient während dem Monat Juli07 als Experiment zur Reanimation der sozialen Interaktion im realen Stadtraum und setzt dabei auf die Eigendynamik der Netzidee. Als Infrastruktur dient in dem Fall jedoch nicht das Internet, sondern die Stadt selbst. Dazu überträgt das Kunstprojekt die real, digitale Web2.0-Infrastruktur in den virtuell, physischen Stadt2.0-Raum, vernetzt die Stadt-Surfer ganz real und schafft neue, einfach nutzbare Möglichkeiten, gestaltend und kommunizierend in den Stadtraum einzugreifen.
Stadt2.0 ist das Diplomprojekt von André Freiermuth, Student am Institut HyperWerk der Abteilung Kunst und Gestaltung der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Gabriel Roth
User gestalten städtische Realitäten
Im Juli 2007 wird der Basler Stadtteil Kleinbasel upgedatet: stadt2.0 will die Stadt-Surfer im Erholungsgebiet nahe dem Rheinufer mittels neoanaloger Infrastruktur zum Interagieren bringen. Mit welchen Mitteln? Im stadt2.0-Netzwerk bilden gekennzeichnete Telefonkabinen, unbedruckte Plakatwände die unterste der vier Rhein-Fähren und der Kiosk an der Feldbergstrasse 60 täglich aktualisierte Hot Spots, die Knotenpunkte also für das Surfen im stadt2.0-Raum. Dort hinterlegen und beziehen die User Informationen. Alle anderen stadt2.0-Anwendungen sind nicht ortsgebunden. Die Vernetzung und der Austausch zwischen den Usern finden im ganzen Stadtraum statt.
“Soziale Software” real anwenden
Stadt2.0 wurde aus der Erkenntnis geboren, dass der Stadtraum bloss noch als Durchgangszone dient, während im Internet community-Plattformen wie myspace, youtube und flickr boomen. Obwohl über diese neue Art sozialer Software immer mehr Menschen miteinander virtuell in Beziehung treten, erreicht der anonyme Kontakt übers Netz nie die Qualität und die Tiefe eines direkten Gespräches: Was Emoticons auszudrücken versuchen, stellt ein Blick ins Gesicht des Gegenübers klar. Das Projekt stadt2.0 überträgt die Mechanismen der sozialen Software in den realen Stadtraum mit dem Ziel, real-soziale Begegnungen und Interaktionen zwischen Menschen anzuregen und so den Stadtraum lebhafter zu gestalten.
Auf Eigendynamik setzen
Das Projekt funktioniert dank der Eigendynamik des Netzes, in dem die Usergemeinde sich selbst fortlaufend vergrössert und neue Gesprächsthemen und Inhalte erzeugt. Regelmässig werden auf den stadt2.0-Plakatwänden Anfragen für Vorschläge zu neuen stadt2.0-Entwicklungen ausgeschrieben und Daten der Usertreffen bekannt gegeben. Wer daran teilnimmt, diskutiert die Vorschläge, lernt neue User kennen, trifft sich mit seinen „Friends“, befreundeten Usern, erhält alle Infos zu den neuesten Trends in der stadt2.0-Wear und tauscht Tags und Bookmarks aus.
Mit sichtbaren Zeichen arbeiten
Alle User tragen stadt2.0wear, ein Reihe modischer Accessoires, an denen sich Bookmarks und Tags anbringen lassen. Das sind kleine, von jedem User selbst gestaltete Anhänger, die sie unter sich austauschen, um ihren persönlichen Bekanntenkreis und ihre Interessen zu kennzeichnen. Wollen sich Mitglieder als “Friends” kennzeichnen, schenken sie sich gegenseitig ihre Bookmarks mit Usernamen; besondere Interessen werden mit Tags gekennzeichnet. Die Tags und die Bookmarks befestigen die User an ihrer persönlichen stadt2.0wear, durch die sie von anderen Usern erkannt werden.
An sechs Standorten stehen stadt2.0-Plakatwände, auf die die Anwender ihre Kommentare und Mitteilungen zu bestehenden Einträgen schreiben oder neue Themen setzen.
In jeder stadt2.0-Telefonzelle findet sich eine Mitgliederliste. Die Stadtbewohner tragen dort ihren Usernamen und ihre Interessen ein und geben an, wo im stadt2.0-Raum sie regelmässig anzutreffen sind. Somit sind sie als stadt2.0-User registriert. Selbst der Fährmann der Ueli-Fähre ist in stadt2.0 einbezogen: Er wird vom stadt2.0-Serviceteam ständig „up to date“ gehalten und fungiert für die User als Newsquelle und Auskunftsperson.
Umsetzung
Im Pilotmonat Juli07 wird das Konzept von stadt2.0 im Stadtraum getestet und die Infrastruktur vom stadt2.0Projektteam in Gang gehalten. Entwickelt sich in dieser Zeit eine ausreichend starke Benutzer-Basis, braucht das Projekt keine weitere Moderation – stadt2.0 birgt das Potenzial, die heutige Kommunikationsweise nachhaltig zu verändern.